Vorleistungskurs Deutsch der E-Phase auf den Spuren Goethes in Wetzlar

 

 

 

Vorsichtig setzen wir unsere Füße auf die erste Stufe aus Sandstein. Die Jahrhunderte haben ihr die rechten Winkel gestohlen. Genauso zögerlich mag auch Goethe diese Stufe in Angriff genommen haben; zwei weitere und er stand vor einer angelehnten Tür. Ein schüchterner, aufgeregter Blick hinein: Dort stand sie – Lotte. Wir folgen seinen Schritten hinein ins Haus der Familie Buff. Spätestens an der Haustür werden wir in das 18. Jahrhundert gesogen und tauchen in die Welt des juristischen Praktikanten wider Willen ein. Die Grenzen zwischen Goethes Realität und der Welt, die er mit den „Leiden des Jungen Werthers“ geschaffen hat, verschwimmen. Hat die echte Charlotte Buff hier das Vesperbrot für ihre Geschwisterschar abgeschnitten, oder war es die Lotte aus dem Werther?
Im Lottehaus in Wetzlar erkunden wir die Originalschauplätze des Werther. Die Räume offenbaren, wie die Buffs wohnten, wo sie ihre Gäste empfingen und welche Gerätschaften zur Haushaltführung gebraucht wurden.
Im ersten Stock steht das für heutige Maße so kleine Bett der Mutter Lottes. Wie sehr muss sich 16 Jahre später Goethe gefreut haben, für sich und seine „Bettgespielin“ Christiane ein „richtiges“ Bett gebaut zu bekommen, das zu mehr als nur zum Schlafen nützte.
Noch heute wirken die geschäftigen Räume der Familie Buff ansprechend und strahlen einen Hauch von Luxus aus.
Im Erdgeschoss öffnet sich die Küche, die mit Töpfen, Pfannen und Waffeleisen ausgestattet ist, so dass wir meinen, Lotte könnte jeden Moment hereinhuschen, um das Herdfeuer zu schüren oder die Hafergrütze für die Kleinen umzurühren.
Unser Stadtführer heißt Werner Brandl, und er ist darin geübt, Schulklassen mit auf eine Reise in die Zeit zu nehmen, als Wetzlar reichsweite Bedeutung als Sitz des Reichskammergerichtes hatte. Er liest aus Briefen Johannes Kestners vor, jenem Mann, den Goethe als Albert verewigt hat, und lässt ihn von der Ankunft des „Millionärssohns“ aus Frankfurt berichten. Daneben zitiert er aus dem Werther, erzählt Anekdoten und liest immer wieder aus Briefen als Dokumente dieser so berühmt gewordenen Monate des Jahres 1772.
Ein Spaziergang durch Wetzlar führt uns zu Goethes Wohnhaus und seiner Lieblingskneipe. Vorbei geht’s an den Palais der adligen Richter und Anwälte am Reichskammergericht, die Wetzlar bis heute ein wenig Glanz geben.
Eine unscheinbare Haustür öffnet sich summend, nachdem Werner Brandl geklingelt hat. Ein enger Flur führt zu einer geschwungenen Treppe, und die in das Obergeschoss. Wir betreten das Apartment von Karl W. Jerusalem und sehen ihn mit ein wenig Einbildungskraft vor uns in einer Blutlache liegen, aus der Einschusswunde tritt Gehirnmasse, die Brust hebt und senkt sich schwer, der Dahinscheidende röchelt. Ihn hat Goethe zum Werther gemacht, das Ende des unglücklich verliebten Juristenkollegen hat er regelrecht kopiert.
Auf einem Kleiderständer ist die Kleidung des Werther drapiert, die 1774 zu einer Mode werden sollte: gelbe Kniebundhose, gelbe Weste, blauer Rock.
Nach zwei Stunden kehren wir zurück ins 21. Jahrhundert. An der alten Lahnbrücke gibt’s noch ein paar romantische Impressionen sowie ein Eis aus dem „Porto Vecchio“.

Frank Boucsein

 

 

 

 

 

 

 

Termine

06.08.   Schuljahresbeginn
07.08.   Aufnahmefeier der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5
21.+22.08.   Fototermin
24.-28.09.   Wander- und Projektwoche
19.-21.11.   Young Americans
06.12.   Mathematikwettbewerb
18.12.   Weihnachtskonzert Echzell
19.12.   Weihnachtskonzert Nidda

 

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