Schüler*innen des „Darstellenden Spiels“ drei Tage zu Gast am Hessischen Landestheater in Marburg.

 

Das quälende Warten hat ein Ende. Endlich ist Donnerstag. Während meine Gedanken noch einer Lesung der OVAG-Jugendliteraturpreisträger*innen gehören, tickt der Countdown zum Theaterworkshop. Die ersten Planungsgespräche für dieses Projekt fanden bereits im Herbst 2017 statt, in den letzten Wochen drehten Michael „Pivi“ Pietsch und ich noch an den kleinen Stellschrauben zur Feinabstimmung der drei Projekttage. Die derzeitige Virenüberflutung hat jedoch vorm Theater nicht Halt gemacht, eine Vorstellung musste abgesagt werden. Aber es läuft!
Dachte ich...
Projektplanung erschien mir in jüngeren Tagen wesentlich leichter, vielleicht weil ich etwas unbekümmerter herangegangen bin. Allerdings haben die möglichen Störfaktoren konsequent zugenommen – besonders die Eigentümlichkeiten der Schüler*innen. Auch bei noch so sorgfältiger Planung bleibt ein Rest „Improvisationsraum“. Gut für die Schüler*innen, die nicht einem auf die Minute getakteten Programm folgen müssen. Schlecht für meine Nerven.
Das Foyer des Hessischen Landestheaters in Marburg bietet einen prächtigen Rundumblick. Eigentlich müssten meine Schüler sich davor versammeln. Tun sie aber nicht. Während ich warte, entwickelt mein Planungsgehirn einige unschöne Szenarien, bis einige Nachzügler heranschleichen und sich herausstellt, dass die anderen längst durch den hinteren Bühneneingang hereingekommen sind und im Casino warten. Haha!
Pivi, Theaterpädagoge mit langjähriger Erfahrung, führt uns in die Theaterwelt ein, zeigt uns die beiden Bühnen im TASCH (Theater am Schwanhof), erklärt, was eine Studiobühne ausmacht, breitet Figurinen und Bühnenmodelle vor uns aus und veranschaulicht die Möglichkeiten der Lichttechnik.
Und so langsam stellt sich der typische Flow eines Workshops ein. Die einzelnen Bausteine passen zusammen, die Teilnehmer*innen lassen sich auf die Themen ein, bei aller Improvisation greift die Planung und es entsteht ein „Ganzes“. Das Vibrieren meiner Nerven lässt nach; nun läuft es. Das liegt einerseits daran, dass Pivi und ich die nötige Routine haben. Andererseits haben wir tolle Schüler*innen: aufmerksam, geduldig, lernbereit.
Die Proben zur 68er-Revuel sollten ein Höhepunkt des Workshops werden. Jetzt rächt sich, dass beim Umbau der Stadthalle aus Kostengründen der Bühnentrakt nicht renoviert worden ist. Die Hebetechnik weist ein größeres Problem auf. Die Probe wird abgesagt. Schade!
Stattdessen schauen wir uns Heiner Müllers „Der Auftrag“ an. Marburg wird seinem Ruf als „linkes“ Theater gerecht. Die Hauptdarsteller erscheinen in Kostümen, auf denen mit Neonfarben jeweils ein Skelett aufgemalt ist. Dazu bemalen und beflecken die Schauspieler*innen sich gegenseitig. Bei Schwarzlicht entsteht so ein gruseliger Effekt. Der Voodoo-Kult Haitis und die Totenfeiern Mittelamerikas lassen grüßen.
Ein Schauspieler greift in seine E-Gitarre und loopt, was das Zeug hält. Das monotone Wiederholen von Rhythmen, Akkorden und Tonsequenzen mit einer Loop-Maschine ist seit einiger Zeit ein prägendes Element auf deutschen Bühnen. Und wirkt ein wenig ausgelutscht. Das Stück bietet sehr viel Abwechslung durch Bühnenhandlung, Kostüme und Effekte. Die müller’schen endlosen Textpassagen sperren sich aber auch in dieser Inszenierung.
Nach diesem Stück dürften alle Schüler*innen eine Idee davon haben, was man unter „Epischem Theater“ und „Postdramatik“ versteht. Und sie bekommen jede Menge Anschauungsmaterial für die eigene Arbeit an Büchners „Woyzeck“: Wie zeigt man den Status einer Figur? Welche Bedeutungen erziele ich mit Körperkontakt? Wie teile ich die Bühne auf?
Wenn wir im Unterricht über Licht, Farben und Musik reden, so werden diese theatralischen Elemente hier lebendig und erfahrbar.
Am Freitag besuchen wir die „Gewerke“ des Theaters, der handwerkliche Teil der Kunst. Hier malt ein Theatermaler die Kulissen für die nächste Vorstellung, dort knüpfen Maskenbildnerinnen Perücken wie im Rokoko, greift Hand in Hand beim Bühnenaufbau.
Nach so viel Praxis tut ein Gespräch gut. Stefan Rogge erzählt, wie er zum Regisseur wurde. „Kunst will nicht helfen – aber sie tut es“, ist einer von den Sätzen, die den Schüler*innen im Gedächtnis haften bleiben. Mit seinem Charisma bannt er die Zuhörer und macht das Gespräch zu einem besonderen Erlebnis.
Franz Burkhard erklärt, was ein Dramaturg eigentlich so macht. Auch seine Biographie hat etwas Abenteuerliches, Wildes, Freies. Ich finde es gut, dass meine Schüler*innen hier Einblicke in „gebrochene“ und gleichzeitig gelungene Lebensläufe erhalten.
Am Abend dürfen wir der Premiere des Einmannstückes „Kindereien“ von Raymond Cousse zuschauen. Karlheinz Schmitt schlüpft in die Rolle eines Jungen, der die Welt aus seiner naturgemäß naiven Perspektive beschreibt. So gelangen eindringliche Bilder in die Köpfe der Zuschauer, voller Humor und Nachdenklichkeit. Und wann kann man schon an einer Premierenfeier teilnehmen? Wir dürfen es.
Der Samstag wird zum Probentag. In der „Black Box“, einer Studiobühne dürfen die Schüler*innen wie die Profis an ihren eigenen Rollen in Büchners „Woyzeck“ feilen. Pivi gibt wichtige Tipps für das eigene Auftreten und das Miteinander auf der Bühne. So erhält meine Arbeit im Unterricht noch einmal einen starken Anschub, bevor es an die „Werkschau“ geht, die Präsentation der Schülerarbeiten in der Schule.
Als wir gegen 15 Uhr Marburg verlassen, bin ich platt, meine Schüler*innen wohl auch. Aber ich habe das befriedigende Gefühl, in den letzten drei Tagen etwas erlebt zu haben, für das es sich lohnt.
Unser Dank gilt dem Hessischen Landestheater in Marburg für die Gastfreundschaft, allen Mitarbeiter*innen, die uns so freundlich aufgenommen haben, und besonders natürlich Michael „Pivi“ Pietsch für sein außergewöhnliches Engagement und seine liebevolle Art.

 Text und Bilder Frank Boucsein

 

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... nehmen wir sie an!

Schule ist ein Abenteuer

... lassen wir uns darauf ein!

Schule ist ein Ziel

... verfolgen wir es unbeirrt!

Schule ist eine Reise

... machen wir uns auf den Weg!

(Schulprogramm 2012)

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